6/2008

Berichterstattung in „Frontal 21“ erschreckend einseitig. Statt „Abzocke“ minimale Renditen für die Abfallverwerter im Saarland

Die Berichterstattung in der Sendung „Frontal 21“ vom 7. Oktober zeigt beispielhaft, wie wenig Bürgerinnen und Bürgern mit „aufklärerischer“ Berichterstattung gedient ist, die Ausreißer zum Maß aller Dinge macht.

 

In der Sendung wurde behauptet, über überhöhte Abfall-Gebühren würde den Betreibern von Abfallentsorgungsanlagen zu enormen Renditen verholfen. Diese flössen zwar zu Teilen wieder zurück an beispielsweise städtische Gesellschaften; dies diene aber nicht der Gebührenstabilität oder –reduzierung.

 

„Im Saarland kann von derlei Konstrukten keine Rede sein“, so EVS-Geschäftsführer Karl Heinz Ecker. EON Energy from Waste (EEW) macht mit dem Abfallheizkraftwerk in Neunkirchen eine Umsatz-Rendite von fünf Prozent und als Mitgesellschafter unserer Anlage in Velsen gerade mal zwei Prozent. Da kann von „Abzocke“ - wie im Bericht mit Renditen von über 40 Prozent begründet - keine Rede sein.

 

Der EVS selbst als Zweckverband darf überhaupt keine Gewinne erwirtschaften und passt die Gebührenhöhe schlicht dem Bedarf aufgrund gestiegener Kosten an.

Anders als in „Frontal 21“ pauschal dargestellt, liegt die Steigerungsrate für die Abfallentsorgung – soweit es den EVS betrifft – weit unter dem Verbraucherindex für Mieten, Wasser, Strom etc.: Während der Verbraucherindex in den Jahren 1994 – 2007 um 51,6 Prozent gestiegen ist, liegt die Steigerungsrate bei den EVS-Abfallgebühren lediglich bei 28,6 Prozent.

 

Insgesamt liegen die EVS-Abfallgebühren bundesweit im unteren Drittel – das haben zahlreiche Untersuchungen beispielsweise des bayerischen Umweltministeriums und des Bundes der Steuerzahler in Nordrhein-Westfalen belegt.

 

Unabhängig davon aber wird der EVS alles daran setzen, die im Vergleich zur eigenen Anlage in Velsen ungünstigen Vertragskonditionen mit dem Abfallheizkraftwerk in Neunkirchen positiv zu beeinflussen. Andernfalls muss bis zum Auslaufen der Verträge im Jahr 2016 in Neunkirchen - trotz aller Anstrengungen zur Abfallreduzierung - mit Gebührengeldern eine Abfallanlage finanziert werden, die dann der EEW gehört.

 

AVA Velsen